Die FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft) ist eine der wichtigsten Förderquellen für innovative Unternehmen in Österreich. Allein das Basisprogramm fördert jährlich hunderte F&E-Projekte mit bis zu €300.000 (Einzelprojekte) bzw. über €1 Mio (Kooperationen).

Aber: Die Ablehnungsquote ist hoch. Je nach Programm werden 40-70% der Anträge abgelehnt — bei Erstanträgen noch deutlich mehr.

Die gute Nachricht: Die meisten Ablehnungen sind vermeidbar. Sie scheitern nicht an der Idee, sondern an der Darstellung.

Ablehnungsgrund 1: Fehlende Innovationshöhe

Das häufigste Problem. Die FFG fördert Forschung und Entwicklung — nicht die Implementierung bekannter Technologien.

Was die FFG als Innovation akzeptiert

  • Neuartige technische Lösung — Etwas das es so noch nicht gibt
  • Signifikante Weiterentwicklung — Bestehende Technologie wird messbar verbessert (Geschwindigkeit, Genauigkeit, Effizienz)
  • Neue Anwendung — Bekannte Technologie in einem neuen Kontext mit technischen Herausforderungen

Was NICHT als Innovation durchgeht

  • Softwareentwicklung ohne technische Herausforderung
  • Anpassung bestehender Open-Source-Lösungen
  • Integration von APIs oder Cloud-Services
  • "Wir bauen das was es schon gibt, aber schöner"

Praxis-Tipp: Formuliere die technischen Herausforderungen explizit. Nicht "Wir entwickeln eine KI-Lösung" sondern "Die Herausforderung besteht darin, mit weniger als 500 Trainingsdaten eine Erkennungsgenauigkeit von >95% zu erreichen, was mit bestehenden Ansätzen (Transfer Learning auf GPT-4, Fine-Tuning auf BERT) nachweislich nicht möglich ist."

Ablehnungsgrund 2: Unklarer Verwertungsplan

Die FFG will wissen: Was passiert nach dem Projekt? Wie wird aus der Forschung ein Produkt? Wie verdienst du damit Geld?

Was fehlt in den meisten Anträgen

Schwach Stark
"Wir planen eine Vermarktung" "Ab Q3 2027 verkaufen wir als SaaS (€49/Mo) an KMUs in DACH. Zielmarkt: 120.000 Unternehmen mit ESG-Berichtspflicht."
"Der Markt ist groß" "TAM: €56 Mio (KMU ESG-Software DACH 2033, Quelle: MarketDataForecast). SAM: €8 Mio. Wir adressieren initial 100 Kunden in AT."
"Wir haben Interesse von Kunden" "LOI von 3 Pilotkunden (Anlage C). Erste Beta-Tester seit März 2026 mit 45 aktiven Nutzern."

Praxis-Tipp: Leg dem Antrag Letters of Intent (LOI) oder Beta-Tester-Statistiken bei. Nichts überzeugt die Gutachter mehr als Marktvalidierung.

Ablehnungsgrund 3: Unrealistischer Projektplan

Die FFG erwartet einen detaillierten Arbeitsplan mit:

  • Arbeitspaketen (AP) mit klaren Zielen und Meilensteinen
  • Zeitplan (Gantt-Diagramm)
  • Personaleinsatz in Personenmonaten (PM)
  • Messbare Ergebnisse pro Arbeitspaket

Typische Fehler

  • Zu ambitioniert: 12 Arbeitspakete in 12 Monaten mit 2 Personen — das rechnet sich nicht
  • Zu vage: "AP3: Entwicklung des Prototypen" — welche technischen Schritte genau?
  • Keine Meilensteine: Ohne Go/No-Go-Punkte wirkt der Plan unreflektiert
  • Personaleinsatz passt nicht: 6 Personenmonate für eine Aufgabe die offensichtlich 2 braucht — oder umgekehrt

Faustregel: Pro Vollzeit-Mitarbeiter maximal 10-11 Personenmonate pro Jahr ansetzen (Urlaub, Krankheit, Overhead). Ein 18-Monats-Projekt mit 2 Personen = maximal 33-36 PM.

Ablehnungsgrund 4: Mangelnde Qualifikation des Teams

Die Gutachter bewerten nicht nur das Projekt, sondern auch das Team. Die zentrale Frage: "Können diese Personen das tatsächlich umsetzen?"

Was die FFG sehen will

  • Relevante Ausbildung — Technischer Background passend zum Projekt
  • Vorarbeiten — Publikationen, Patente, frühere Projekte im Themenfeld
  • Track Record — Abgeschlossene FFG-Projekte werden positiv bewertet
  • Partnerschaften — Kooperation mit Universitäten oder Forschungseinrichtungen stärkt den Antrag

Was Erstantragsteller tun können

  1. Wissenschaftliche Partner einbinden — Eine Kooperation mit einer FH oder Uni kompensiert fehlenden Track Record
  2. Berater mit FFG-Erfahrung — Ein externer F&E-Berater als Subauftragnehmer zeigt Professionalität
  3. Team-CVs ausführlich — Nicht nur Name und Titel, sondern relevante Projekte, Technologien, Publikationen

Ablehnungsgrund 5: Fehler im Kostenplan

Der Kostenplan ist der Bereich mit den meisten formalen Fehlern. Die FFG hat strikte Regeln für förderfähige Kosten:

Förderfähig

  • Personalkosten (internes Personal, berechnet nach Stundensatzmodell)
  • Sachkosten (Material, Software-Lizenzen, Cloud-Kosten — nur projektspezifisch)
  • Drittkosten (Subaufträge an Externe, max. 30-50% je nach Programm)
  • Reisekosten (projektbezogen, nachweisbar)

NICHT förderfähig

  • Investitionen (Hardware, Geräte — nur abschreibungsanteilig)
  • Marketing und Vertrieb
  • Geschäftsführer-Gehalt (nur wenn nachweislich im Projekt tätig)
  • Overhead/Gemeinkosten (werden als Pauschale angesetzt, nicht einzeln)
  • Umsatzsteuer (falls vorsteuerabzugsberechtigt)

Häufiger Fehler: Personalkosten werden mit dem Bruttogehalt angesetzt statt mit dem FFG-Stundensatzmodell. Die FFG hat eine eigene Berechnungsmethode — verwende den FFG-Personalkostenrechner auf ffg.at.

Kosten-Checkli­ste

  1. Stundensätze nach FFG-Modell berechnet?
  2. Overhead-Pauschale (20% oder 25%) korrekt angesetzt?
  3. Drittkosten-Anteil unter dem Programm-Maximum?
  4. Alle Kosten direkt dem Projekt zuordenbar?
  5. Eigenmittel-Anteil realistisch dargestellt?

Bonus: 3 Dinge die deinen Antrag stärken

1. State of the Art gründlich aufarbeiten

Die FFG erwartet eine Analyse des aktuellen Stands der Technik. Das bedeutet:

  • Relevante wissenschaftliche Publikationen zitieren (nicht nur Google-Suche)
  • Bestehende kommerzielle Lösungen benennen und abgrenzen
  • Eigene Vorarbeiten einordnen

2. Risiken explizit benennen

Kein Projekt ist risikofrei. Gutachter vertrauen Antragstellern mehr, die Risiken erkennen und Gegenmaßnahmen planen:

  • "Risiko: Trainingsdaten könnten nicht ausreichen → Gegenmaßnahme: Synthetic Data Generation als Alternative (AP4)"
  • "Risiko: Partner-API wird deprecated → Gegenmaßnahme: Abstraktionsschicht, die Providerwechsel ermöglicht"

3. Impact quantifizieren

  • Nicht: "Das Projekt schafft Arbeitsplätze"
  • Sondern: "Bis 2028 planen wir 8 zusätzliche technische Mitarbeiter einzustellen (3 im Projektjahr, 5 in der Verwertungsphase)"

Fazit

Die FFG fördert gute Projekte — aber sie erwartet professionelle Anträge. Die 5 häufigsten Fehler lassen sich alle vermeiden:

  1. Innovationshöhe klar herausarbeiten — Technische Herausforderungen explizit formulieren
  2. Verwertung konkretisieren — Markt, Pricing, Kunden, LOIs
  3. Projektplan realistisch halten — Personenmonate durchrechnen
  4. Team-Kompetenz belegen — Partner, CVs, Vorarbeiten
  5. Kostenplan sauber aufsetzen — FFG-Stundensatzmodell, keine Investitionen

Prüfe in 15 Sekunden, welche Förderung zu dir passt

GrantPilot matcht dein Startup-Profil gegen 200+ Förderprogramme aus Österreich, Deutschland und der EU. Kostenlos, ohne Anmeldung.

GrantPilot kostenlos starten
Teilen:
Stand: Mai 2026. Dieser Artikel basiert auf öffentlich verfügbaren Informationen und Erfahrungswerten. FFG-Bewertungskriterien können sich ändern. Prüfe immer die aktuellen Ausschreibungsunterlagen auf ffg.at.