Die CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) ist die größte Änderung in der europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattung seit Jahrzehnten. Für viele KMU stellt sich die Frage: Bin ich betroffen? Ab wann? Und was muss ich eigentlich berichten? Dieser Artikel beantwortet alle Fragen — mit konkretem Stufenplan, verständlichen Erklärungen und einer Schritt-für-Schritt-Anleitung für deinen ersten Bericht.
Was ist die CSRD?
Die Corporate Sustainability Reporting Directive ist eine EU-Richtlinie, die am 5. Januar 2023 in Kraft getreten ist. Sie ist die Nachfolgerin der NFRD (Non-Financial Reporting Directive) und erweitert die Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung massiv — sowohl inhaltlich als auch beim Kreis der betroffenen Unternehmen.
Während die NFRD nur rund 11.700 große börsennotierte Unternehmen in der EU betraf, erfasst die CSRD schätzungsweise 50.000 Unternehmen — darunter erstmals auch nicht-börsennotierte Großunternehmen und mittelfristig KMU. In Österreich und Deutschland betrifft das tausende Betriebe, die bisher keine Nachhaltigkeitsberichte erstellen mussten.
Das Ziel: Investoren, Kunden und die Öffentlichkeit sollen verlässliche, vergleichbare Informationen über die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen erhalten — ähnlich standardisiert wie Finanzberichte.
Wer ist ab wann betroffen?
Die CSRD wird stufenweise eingeführt. Die folgende Tabelle zeigt den aktuellen Zeitplan:
| Stufe | Betroffene Unternehmen | Erstes Berichtsjahr | Erster Bericht fällig |
|---|---|---|---|
| Stufe 1 | Große börsennotierte Unternehmen (>500 MA), bereits NFRD-pflichtig | 2024 | 2025 |
| Stufe 2 | Alle großen Unternehmen (>250 MA oder >€50 Mio. Umsatz oder >€25 Mio. Bilanzsumme, mind. 2 von 3 Kriterien) | 2025 | 2026 |
| Stufe 3 | Börsennotierte KMU (10–250 MA) | 2026 | 2027 (Opt-out bis 2028 möglich) |
| Freiwillig | Alle übrigen KMU | Ab 2026 | Freiwillig, empfohlen ab 2028 |
Wichtig für KMU: Auch wenn dein Unternehmen nicht direkt berichtspflichtig ist, kann dich die CSRD indirekt betreffen. Große Unternehmen müssen über ihre Lieferkette berichten und werden ESG-Daten von Zulieferern einfordern. Wer als KMU diese Daten nicht liefern kann, riskiert den Verlust von Großkunden.
VSME vs. ESRS — welcher Standard?
Für die Umsetzung der CSRD hat die EFRAG (European Financial Reporting Advisory Group) zwei Berichtsstandards entwickelt:
- ESRS (European Sustainability Reporting Standards): Der vollständige Standard für große Unternehmen. Umfasst 12 thematische Standards mit hunderten von Datenpunkten. Pflicht für Stufe 1 und 2
- VSME (Voluntary SME Standard): Ein vereinfachter Standard speziell für KMU. Deutlich weniger Datenpunkte, pragmatischere Anforderungen, modularer Aufbau. Gedacht für Stufe 3 (börsennotierte KMU) und freiwillige Berichtererstatter
Für die meisten KMU ist der VSME der richtige Einstieg. Er reduziert den Aufwand erheblich, ohne die Vergleichbarkeit zu opfern. Einen detaillierten Vergleich beider Standards findest du in unserem Artikel: VSME vs ESRS — welcher Standard gilt für dein KMU?
Die Doppelte Wesentlichkeit erklärt
Ein zentrales Konzept der CSRD ist die doppelte Wesentlichkeit (Double Materiality). Sie bedeutet, dass du aus zwei Perspektiven analysieren musst:
- Inside-Out (Impact Materiality): Welche Auswirkungen hat dein Unternehmen auf Umwelt und Gesellschaft? Zum Beispiel: CO2-Emissionen, Wasserverbrauch, Arbeitsbedingungen in der Lieferkette
- Outside-In (Financial Materiality): Welche Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen beeinflussen dein Unternehmen finanziell? Zum Beispiel: Klimarisiken für Standorte, regulatorische Änderungen, Reputationsrisiken
Beispiel: Ein Tiroler Produktionsbetrieb mit 80 Mitarbeitern. Inside-Out: Die Produktion verursacht Abwässer, die in die Kanalisation eingeleitet werden — Auswirkung auf die Umwelt. Outside-In: Strengere Abwasservorschriften könnten Investitionen in neue Filteranlagen erfordern — finanzielles Risiko für das Unternehmen. Beides muss im Bericht adressiert werden, wenn es als wesentlich eingestuft wird.
Was muss in den Bericht?
Der Nachhaltigkeitsbericht nach CSRD gliedert sich in drei Hauptbereiche:
E — Environment (Umwelt)
- Klimaschutz: Treibhausgasemissionen (Scope 1, 2, optional 3), Reduktionsziele
- Ressourcennutzung: Wasser, Rohstoffe, Abfallaufkommen
- Biodiversität: Auswirkungen auf Ökosysteme (wenn wesentlich)
- Kreislaufwirtschaft: Recyclingquoten, Produktlebenszyklus
S — Social (Soziales)
- Arbeitsbedingungen: Arbeitszeiten, Gesundheitsschutz, Weiterbildung
- Diversität: Geschlechterverteilung, Lohngleichheit, Inklusion
- Menschenrechte: Sorgfaltspflichten in der Lieferkette
- Gemeinschaft: Lokales Engagement, Stakeholder-Dialog
G — Governance (Unternehmensführung)
- Nachhaltigkeitsstrategie: Verantwortlichkeiten, Ziele, Zeitpläne
- Risikomanagement: Integration von ESG-Risiken in bestehende Prozesse
- Ethik: Anti-Korruption, Whistleblower-Schutz, Datenschutz
- Vergütung: Zusammenhang zwischen Vorstandsvergütung und Nachhaltigkeitszielen
7-Schritte-Anleitung für den ersten Bericht
So gehst du deinen ersten CSRD-konformen Nachhaltigkeitsbericht an:
- Verantwortliche benennen: Bestimme eine Person oder ein kleines Team, das den Bericht koordiniert. In KMU ist das oft die Geschäftsführung selbst oder der/die Qualitätsbeauftragte. Wichtig: Es braucht Zugang zu Daten aus Finanzbuchhaltung, HR und Einkauf
- Standard wählen: VSME für KMU, ESRS für große Unternehmen. Wenn du unsicher bist, starte mit VSME — ein Upgrade auf ESRS ist später möglich
- Daten sammeln: Energieverbrauch, CO2-Emissionen, Mitarbeiterkennzahlen, Abfallmengen, Lieferantendaten. Tipp: Beginne mit dem, was du bereits hast (Stromrechnungen, HR-System, Buchhaltung)
- Wesentlichkeitsanalyse durchführen: Identifiziere die für dein Unternehmen wesentlichen Themen — aus beiden Perspektiven (Inside-Out und Outside-In). Nicht jedes Thema ist für jedes Unternehmen relevant
- Bericht erstellen: Strukturiere den Bericht nach dem gewählten Standard. Nutze die vorgegebenen Disclosure Requirements als Gliederung. Klar und faktenbasiert schreiben — kein Greenwashing
- Prüfen lassen: Ab Stufe 1 und 2 ist eine externe Prüfung durch einen Wirtschaftsprüfer vorgeschrieben (zunächst „limited assurance", später „reasonable assurance"). Für freiwillige Berichte ist eine externe Prüfung empfohlen, aber nicht Pflicht
- Veröffentlichen: Der Nachhaltigkeitsbericht wird Teil des Lageberichts und muss im maschinenlesbaren XBRL-Format (European Single Electronic Format) eingereicht werden
Strafen bei Nicht-Einhaltung
Die CSRD sieht empfindliche Sanktionen vor — die konkrete Umsetzung variiert je nach Mitgliedstaat:
- Geldstrafen: Bis zu 10 Millionen Euro oder 5 % des weltweiten Jahresumsatzes (je nachdem, welcher Betrag höher ist) für schwerwiegende Verstöße
- Wirtschaftsprüfer-Vermerk: Fehlende oder fehlerhafte Nachhaltigkeitsberichte führen zu einem eingeschränkten Bestätigungsvermerk — ein Warnsignal für Investoren, Banken und Geschäftspartner
- Haftung der Geschäftsführung: In Österreich und Deutschland haften Geschäftsführer persönlich für die Richtigkeit des Lageberichts — der Nachhaltigkeitsteil ist da keine Ausnahme
- Marktzugang: Große Unternehmen und öffentliche Auftraggeber fordern zunehmend ESG-Berichte als Voraussetzung für Geschäftsbeziehungen. Wer nicht berichtet, verliert Aufträge
Realität für KMU: Die Millionenstrafen treffen primär Großunternehmen. Für KMU ist das größere Risiko der indirekte Druck: Großkunden, Banken und Investoren, die ESG-Daten einfordern. Wer nicht liefern kann, steht bei der nächsten Auftragsvergabe oder Kreditverhandlung schlechter da.
Wie Kavra Comply hilft
Kavra Comply macht den Einstieg in die CSRD-Berichterstattung so einfach wie möglich — speziell für KMU in Österreich und Deutschland:
- KI-gestützte Wesentlichkeitsanalyse: Beantworte einen geführten Fragebogen und Comply ermittelt automatisch, welche ESG-Themen für dein Unternehmen wesentlich sind — aus beiden Perspektiven der doppelten Wesentlichkeit
- VSME + ESRS Support: Comply unterstützt beide Standards. Starte mit VSME und wechsle nahtlos zu ESRS, wenn dein Unternehmen wächst oder die Anforderungen steigen
- Strukturierter Bericht: Die KI generiert einen vollständigen Berichtsentwurf auf Basis deiner Daten — inklusive aller geforderten Disclosure Requirements, Kennzahlen und Erläuterungen
- XBRL-Export: Der Bericht kann direkt im geforderten maschinenlesbaren Format exportiert werden — kein manuelles Tagging nötig
Der Einstieg ist kostenlos — starte mit der Wesentlichkeitsanalyse und entscheide dann, ob du den vollständigen Bericht mit Comply erstellen willst.
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