Seit März 2026 hat sich die ESG-Landschaft für KMUs komplett verändert. Die gute Nachricht: es ist einfacher geworden.

Die Omnibus-I-Verordnung der EU hat im März 2026 die CSRD-Regeln grundlegend überarbeitet. Was vorher ein Dschungel aus Abkürzungen und Fristen war, ist jetzt deutlich klarer. Für die meisten KMUs lautet die Antwort auf die Frage "VSME oder ESRS?" ziemlich eindeutig.

Kurzantwort: Wenn du nicht börsennotiert bist oder weniger als 1.750 Mitarbeiter hast, ist VSME dein Standard. Das betrifft rund 95% aller KMUs im DACH-Raum. ESRS bleibt den Großen vorbehalten.

Was hat sich durch Omnibus I geändert?

Bis Anfang 2026 war die Lage unübersichtlich. Die CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) hatte einen ehrgeizigen Zeitplan: ab 2025 die Großen, ab 2026 börsennotierte KMUs, ab 2028 weitere. Die Realität? Überforderung auf allen Seiten.

Omnibus I hat drei wesentliche Dinge geändert:

  1. Schwellenwerte massiv angehoben: Die Berichtspflicht nach ESRS greift erst ab 1.750 Mitarbeitern und 50 Mio. Euro Umsatz (vorher: 250 MA / 40 Mio.). Das nimmt den meisten KMUs sofort den Druck.
  2. Value Chain Cap eingeführt: Unternehmen müssen nicht mehr die gesamte Wertschöpfungskette offenlegen — nur noch dort, wo sie direkten Einfluss und belastbare Daten haben. Das war eine der größten Hürden.
  3. VSME als explizite Alternative anerkannt: Der Voluntary Standard for SMEs (VSME) ist jetzt der offiziell empfohlene Rahmen für KMUs, die freiwillig berichten oder von Geschäftspartnern dazu aufgefordert werden.

In der Praxis heißt das: Wer als KMU einen ESG-Bericht braucht — sei es für die Bank, für einen Großkunden oder aus Überzeugung — nimmt VSME. Punkt.

VSME Basic vs VSME Comprehensive

VSME gibt es in zwei Varianten. Die Wahl hängt davon ab, wer den Bericht lesen wird und was er damit anfangen soll.

VSME Basic VSME Comprehensive
Umfang ~25 Datenpunkte ~70 Datenpunkte
Zeitaufwand 30 Min. bis 2 Stunden 1-2 Tage
Wesentlichkeitsanalyse Vereinfacht (Checkliste) Vollständig (Doppelte Wesentlichkeit)
Typischer Anwendungsfall Bankanfragen, einfache Lieferantenchecks Großkunden-Anforderungen, Ausschreibungen
Wer braucht das KMUs bis 50 MA, Handwerksbetriebe, Dienstleister KMUs 50-250 MA, Zulieferer für Konzerne

Wann reicht VSME Basic?

Basic reicht, wenn deine Bank oder ein Geschäftspartner "irgendwas mit ESG" braucht. Das klingt salopp, trifft aber die Realität. Viele Banken fragen seit 2025 ESG-Daten ab — aber was sie wirklich brauchen, sind ein paar Kernzahlen: CO2-Emissionen (zumindest Scope 1+2), Mitarbeiterzahl und -struktur, Governance-Basics. Genau das liefert VSME Basic.

Wenn du ein Handwerksunternehmen mit 20 Mitarbeitern führst, ist Basic nicht nur ausreichend — es ist genau richtig. Mehr zu machen wäre Ressourcenverschwendung.

Wann brauchst du Comprehensive?

Comprehensive wird relevant, wenn du in der Lieferkette eines berichtspflichtigen Großunternehmens bist. Seit Omnibus I dürfen diese Unternehmen zwar nicht mehr beliebige Daten von dir verlangen (Value Chain Cap), aber sie können die VSME-Comprehensive-Datenpunkte einfordern.

Typisches Szenario: Du bist Zulieferer für ein börsennotiertes Unternehmen. Deren Einkauf schickt dir einen ESG-Fragebogen. Wenn du einen VSME-Comprehensive-Bericht hast, deckst du alle Fragen ab — ohne jedes Mal individuell antworten zu müssen.

Was Banken und Großkunden wirklich verlangen

Lass dich nicht von der Theorie verwirren. In der Praxis gibt es drei Szenarien:

Szenario 1: Die Bankfinanzierung. Banken in Österreich und Deutschland integrieren ESG-Scores zunehmend in ihre Kreditvergabe. Was sie brauchen, ist kein 200-Seiten-Bericht. Sie brauchen strukturierte Daten, die sie in ihr Rating-System einspeisen können. VSME Basic liefert das in einem standardisierten Format. Manche Banken akzeptieren sogar weniger — aber mit einem VSME-Basic-Bericht bist du auf der sicheren Seite.

Szenario 2: Der Großkunden-Check. Ein Konzernkunde fragt dich nach deinem ESG-Profil. Hier hängt es davon ab, wie ernst sie es meinen. Manche wollen nur ein Häkchen setzen (Basic reicht). Andere haben eigene Lieferantenportale und detaillierte Fragebögen (Comprehensive). Im Zweifelsfall: frag nach. Und wenn sie keine klare Antwort geben, nimm Comprehensive — lieber einmal richtig als dreimal nachbessern.

Szenario 3: Die Überzeugung. Du willst ESG-Reporting machen, weil du es richtig findest. Das ist der beste Grund. Starte mit Basic, sammle Erfahrung, und steige um wenn es Sinn ergibt. Kein Unternehmen hat je einen Nachteil davon gehabt, seine Nachhaltigkeitsdaten zu kennen.

Wann ist ESRS doch relevant?

ESRS (European Sustainability Reporting Standards) ist der "große Bruder" — entwickelt für börsennotierte Unternehmen und solche mit mehr als 1.750 Mitarbeitern. Der Standard umfasst über 1.100 Datenpunkte und erfordert in der Regel ein dediziertes Nachhaltigkeitsteam oder externe Berater.

ESRS wird für dich nur relevant, wenn:

  • Dein Unternehmen börsennotiert ist
  • Du mehr als 1.750 Mitarbeiter und über 50 Mio. Euro Umsatz hast
  • Du Teil eines Konzerns bist, der auf Gruppenebene nach ESRS berichten muss

Für alle anderen — und das sind nach aktuellen Schätzungen über 95% der österreichischen und deutschen Unternehmen — ist VSME der richtige Rahmen.

Konkrete nächste Schritte

Du weißt jetzt, welcher Standard für dich gilt. Hier ist, was du als nächstes tun solltest:

  1. Entscheide dich für Basic oder Comprehensive. Wenn niemand explizit Comprehensive verlangt, starte mit Basic.
  2. Sammle die Basisdaten. Mitarbeiterzahl, Energieverbrauch, CO2-Emissionen (Scope 1+2 reicht für Basic), Governance-Struktur. Die meisten dieser Daten hast du bereits — sie liegen nur in verschiedenen Systemen.
  3. Nutze ein Tool, kein Excel. Ernsthaft. Ein Excel-basierter ESG-Bericht ist in zwei Monaten veraltet und in sechs Monaten unbrauchbar. Mit einem dedizierten Tool wie Kavra Comply erstellst du den Bericht strukturiert, aktualisierst ihn laufend und exportierst ihn bei Bedarf als XBRL.
  4. Plane 30 Minuten ein, nicht 3 Monate. Ein VSME-Basic-Bericht mit den richtigen Daten ist in einer halben Stunde fertig. Kein Berater nötig, kein Workshop, kein Projekt.

Häufige Fragen

Muss ich als KMU mit 30 Mitarbeitern überhaupt einen ESG-Bericht erstellen?
Rechtlich: nein. Praktisch: zunehmend ja. Banken fragen danach, Großkunden erwarten es, und bei öffentlichen Ausschreibungen ist es ein Differenzierungsmerkmal. Ein VSME-Basic-Bericht ist in 30 Minuten erstellt — der Aufwand ist marginal im Vergleich zum Nutzen.
Was passiert, wenn ich keinen Bericht habe und mein Großkunde einen verlangt?
Im besten Fall: du antwortest auf einen individuellen Fragebogen und investierst Stunden in Einzelantworten. Im schlechtesten Fall: du verlierst den Auftrag an einen Mitbewerber, der seine Daten bereits strukturiert hat. Ein fertiger VSME-Bericht ist deine Standardantwort auf jede ESG-Anfrage.
Brauche ich einen Wirtschaftsprüfer für VSME?
Nein. VSME-Berichte unterliegen keiner Prüfpflicht. Das ist einer der großen Vorteile gegenüber ESRS. Du kannst den Bericht selbst erstellen und veröffentlichen. Natürlich steigt die Glaubwürdigkeit mit einer externen Prüfung — aber für den Einstieg ist das nicht nötig.
Kann ich von VSME Basic später auf Comprehensive umsteigen?
Ja, problemlos. VSME Basic ist eine Teilmenge von Comprehensive. Alles was du in Basic erfasst, ist auch in Comprehensive enthalten. Du erweiterst einfach die Datenpunkte — nichts geht verloren.
Was hat der Value Chain Cap mit meinem KMU zu tun?
Direkt: wenig. Indirekt: viel. Der Value Chain Cap begrenzt, welche Daten ein Großunternehmen von seinen Lieferanten (also möglicherweise von dir) verlangen darf. Das schützt dich vor unverhältnismäßigen Datenanforderungen. Wenn ein Konzernkunde mehr verlangt als VSME Comprehensive abdeckt, kannst du auf die Omnibus-I-Regelung verweisen.

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Stand: April 2026. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Die Omnibus-I-Verordnung ist seit März 2026 in Kraft; nationale Umsetzungsgesetze können abweichen. Für rechtsverbindliche Auskünfte konsultiere bitte einen spezialisierten Berater.