Beide sind gut. Beide haben Tücken. Hier ist die ehrliche Gegenüberstellung.
Wenn du ein Startup in Österreich gründest, stößt du früher oder später auf zwei Namen: FFG Basisprogramm und aws Preseed. Beide sind öffentliche Förderungen, beide klingen vielversprechend, und beide haben Bedingungen, die man kennen sollte, bevor man drei Wochen in einen Antrag investiert.
Dieser Artikel hilft dir, in fünf Minuten zu entscheiden, welches Programm zu deinem Startup passt — oder ob du beide kombinieren solltest.
Kurzantwort: aws Preseed ist für die Ideenphase (bis 150.000 Euro, Zuschuss). FFG Basisprogramm ist für laufende F&E-Projekte (bis 5 Mio. Euro, Zuschuss + Darlehen). Die beiden schließen sich nicht aus — aber sie adressieren unterschiedliche Phasen.
Die Vergleichstabelle
Bevor wir in die Details gehen, hier der Überblick. Die Zahlen sind Stand April 2026 — Förderkonditionen ändern sich regelmäßig, also prüfe immer die aktuelle Ausschreibung.
| aws Preseed | FFG Basisprogramm | |
|---|---|---|
| Förderhöhe | Bis 150.000 Euro | Bis 5 Mio. Euro |
| Förderart | Nicht rückzahlbarer Zuschuss | Zuschuss (bis 60%) + zinsgünstiges Darlehen |
| Förderquote | Bis 75% der förderbaren Kosten | Je nach Unternehmensgröße: 35-60% Zuschuss |
| Phase | Idee / Konzept / Machbarkeit | Industrielle Forschung / Experimentelle Entwicklung |
| Unternehmensalter | Max. 5 Jahre (meist <3 Jahre) | Keine Beschränkung |
| Teamgröße | Typisch 1-10 Personen | Keine Beschränkung |
| Laufzeit | 12-18 Monate | 12-36 Monate |
| Antragsdauer | ~2-4 Wochen Erstellung, 6-10 Wochen Bearbeitung | ~4-8 Wochen Erstellung, 8-14 Wochen Bearbeitung |
| Erfolgsquote | Ca. 25-35% | Ca. 40-50% |
| Eigenmittel nötig? | Ja, mindestens 25% | Ja, Restfinanzierung muss gesichert sein |
Wann aws Preseed die richtige Wahl ist
aws Preseed ist für den Anfang gedacht. Du hast eine Idee, vielleicht ein erstes Konzept, aber noch kein marktreifes Produkt. Typische Preseed-Projekte:
- Machbarkeitsstudien: Du willst herausfinden, ob deine Idee technisch und wirtschaftlich umsetzbar ist.
- Prototypenentwicklung: Du brauchst einen ersten funktionsfähigen Prototyp, um Feedback von potenziellen Kunden zu bekommen.
- Konzeptvalidierung: Du hast Hypothesen über deinen Markt und willst sie mit realen Daten untermauern.
Der große Vorteil von Preseed: Es ist ein nicht rückzahlbarer Zuschuss. Du bekommst Geld, das du nicht zurückzahlen musst — egal ob dein Startup erfolgreich wird oder nicht. Das ist in der Frühphase Gold wert, weil es dein Eigenkapital schont.
Die Kehrseite: Die Förderhöhe ist auf 150.000 Euro begrenzt, und du musst mindestens 25% Eigenmittel einbringen. Bei einem Projektvolumen von 100.000 Euro bedeutet das 25.000 Euro aus eigener Tasche. Für ein Startup in der Ideenphase kann das eine relevante Hürde sein.
Was aws bei der Bewertung wirklich anschaut
Die aws bewertet vier Dimensionen: Innovation, Team, Marktpotenzial und Umsetzbarkeit. In der Praxis ist die Gewichtung interessant:
Das Team zählt am meisten. In der Preseed-Phase gibt es oft noch kein Produkt und keine Kunden. Was die Gutachter überzeugen muss, ist die Glaubwürdigkeit des Teams. Haben die Gründer die nötige Expertise? Ergänzen sie sich? Haben sie relevante Erfahrung im Zielmarkt?
Innovation wird pragmatisch bewertet. Du brauchst keine Weltneuheit. Was zählt, ist ein nachvollziehbarer Unterschied zu bestehenden Lösungen und ein klarer Vorteil für die Zielgruppe.
Wann das FFG Basisprogramm passt
Das FFG Basisprogramm ist für Unternehmen, die ein konkretes F&E-Projekt durchführen wollen. Der Unterschied zu Preseed: Hier geht es nicht mehr um die Frage "Ist das machbar?", sondern um "Wie setzen wir das um?".
Typische FFG-Projekte:
- Produktentwicklung mit technischem Risiko: Du entwickelst etwas, das es so noch nicht gibt und bei dem der Ausgang technisch unsicher ist.
- Industrielle Forschung: Du erforschst neue Materialien, Verfahren oder Algorithmen, die in ein Produkt einfließen sollen.
- Kooperative F&E: Du arbeitest mit einer Universität oder einem Forschungsinstitut zusammen (erhöht die Förderquote).
Der große Vorteil: Die Fördersummen sind signifikant höher — bis zu 5 Mio. Euro. Und die Förderquote kann bei Kooperation mit Forschungseinrichtungen bis zu 60% betragen. Für kapitalintensive F&E-Projekte ist das oft der entscheidende Hebel.
Aber: Das FFG Basisprogramm kombiniert Zuschuss und Darlehen. Der Zuschuss-Anteil ist nicht rückzahlbar, das Darlehen schon — wenn auch zu sehr günstigen Konditionen. Und der Antragsaufwand ist erheblich: Rechne mit 4-8 Wochen für einen soliden Antrag, inklusive technischer Beschreibung, Arbeitsplan, Kostenaufstellung und Verwertungsstrategie.
Was die FFG bei der Bewertung wirklich anschaut
Technisches Risiko ist erwünscht. Klingt paradox, ist aber der Kern: Die FFG fördert Projekte, deren Ausgang unsicher ist. Wenn du sagst "Wir wissen genau, wie das funktioniert, wir müssen es nur bauen" — dann ist das kein F&E-Projekt, sondern Produktentwicklung. Und die fördert die FFG nicht.
Der Arbeitsplan ist entscheidend. Die FFG will sehen, dass du methodisch vorgehst. Arbeitspakete, Meilensteine, Deliverables — das muss schlüssig sein. Nicht aufgeblasen, aber nachvollziehbar.
Die häufigsten Fehler
Fehler 1: Den falschen Fördertopf wählen
Der teuerste Fehler überhaupt. Drei Wochen in einen FFG-Antrag investieren, obwohl du eigentlich ein Preseed-Projekt hast — oder umgekehrt. Die FFG lehnt Projekte ab, die "zu früh" sind (= noch in der Konzeptphase). Die aws lehnt Preseed-Anträge ab, die "zu weit" sind (= schon ein marktreifes Produkt haben). Entscheide zuerst, in welcher Phase du wirklich bist.
Fehler 2: Kosten unrealistisch kalkulieren
Sowohl aws als auch FFG prüfen deine Kostenaufstellung genau. "Ein Machine-Learning-Experte für 12 Monate Vollzeit" klingt plausibel — bis du erklären musst, warum dein 3-Personen-Startup einen ML-Experten Vollzeit braucht, wenn 60% des Projekts Marktforschung ist. Jede Kostenposition muss zum Arbeitsplan passen.
Fehler 3: Innovation nicht klar herausarbeiten
Gutachter lesen dutzende Anträge pro Woche. Wenn nach dem ersten Absatz nicht klar ist, was dein Projekt anders macht als bestehende Lösungen, ist der Antrag praktisch tot. Führe mit dem Unterschied, nicht mit dem Problem. Das Problem kennen die Gutachter. Was sie wissen wollen: Warum löst du es besser?
Fehler 4: Keinen Plan B für die Eigenmittel
Beide Programme verlangen Eigenanteil. Bei der aws sind es 25%, bei der FFG der gesamte nicht geförderte Anteil. Wenn du zum Zeitpunkt der Bewilligung die Eigenmittel nicht nachweisen kannst, wird die Förderung nicht ausgezahlt. Kläre die Finanzierung vor der Antragstellung, nicht danach.
Kann man beide kombinieren?
Ja — und das ist oft die klügste Strategie. Die typische Abfolge:
- Preseed für die Machbarkeitsstudie und den ersten Prototyp (12-18 Monate)
- FFG Basisprogramm für die systematische Weiterentwicklung auf Basis der Preseed-Ergebnisse (12-36 Monate)
Das funktioniert besonders gut, weil die Preseed-Ergebnisse deinen FFG-Antrag massiv stärken. Statt Hypothesen kannst du auf echte Daten verweisen. Statt "Wir glauben, dass..." schreibst du "Unsere Machbarkeitsstudie hat gezeigt, dass...".
Wichtig: Du kannst nicht dieselben Kosten in beiden Programmen abrechnen. Die Projekte müssen zeitlich und inhaltlich klar voneinander abgegrenzt sein.
Nächste Schritte
- Bestimme deine Phase ehrlich. Hast du eine Idee oder ein laufendes F&E-Projekt? Die Antwort bestimmt den Fördertopf.
- Prüfe die Eigenmittel. 25% von 150.000 Euro (aws) oder 40-65% von deinem FFG-Projektvolumen — kannst du das stemmen?
- Rede mit der Förderstelle. Sowohl aws als auch FFG bieten kostenlose Erstberatung an. Nutze sie, bevor du drei Wochen in einen Antrag investierst.
- Nutze ein Matching-Tool. GrantPilot prüft in 15 Sekunden, welche Förderprogramme zu deinem Startup-Profil passen — nicht nur aws und FFG, sondern über 200 Programme aus AT, DE und der EU.
Häufige Fragen
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